Amerika dreht durch Америка сходит с ума Խելագար ամերիկացիներ
25.10.2010
Bizarre US-Wahlkampfspots
Von Marc Pitzke, New York
Ausschnitt aus Wahlspot der Republikanerin Gorman: Mit massiver Ballerei punkten
Ausschnitt aus Wahlspot der Republikanerin Gorman: Mit massiver Ballerei punkten
Nie war der US-Wahlkampf so ruppig wie dieses Mal. Mit verleumderischen Spots im TV und Internet duellieren sich die Kandidaten: Manche verteufeln ihre Gegner als Tierquäler oder Taliban, andere holen gleich die Knarre raus. Ein Blick auf die gemeinsten, kuriosesten und sonderbarsten Clips.
Drogenbaron Barack Obama? Die Taliban im Kapitol? Der Weltuntergang? Den Kandidaten im US-Kongresswahlkampf ist kein Mittel zu schade, kein Vorwurf zu absurd, keine Verzerrung zu stark, um ihr Ziel zu erreichen. Noch nie, da sind sich viele Polit-Experten einig, war ein Wahlkampf hier so schmutzig - und gerade deshalb so amüsant.
Statt die eigenen Vorzüge hochzureden, prangern sie lieber die - vermeintlichen, oft sogar frei erfundenen - Schattenseiten des Gegners an. Der will süße Hunde vergasen! Kleine Mädchen mit Geschlechtskrankheiten impfen! Frauen unterwerfen - unser heiliges Amerika zerstören!
YouTube macht diese visuellen Napalm-Bomben zu sofortigen Kult-Hits - egal, ob sie wahr sind oder erfunden. Die Eindrücke bleiben. Selten setzt ein TV-Sender einen Spot von sich aus ab, weil er "abgrundtief unrichtig" ist, wie es neulich Fox 31 in Denver tat. In dem Fall ging es um einen Spot des Republikaners Cory Gardner gegen Betsy Markey - die er darin aber mit ihrem Kongresskollegen Ed Markey "verwechselte".
Déjà-vu: Nur zwei Jahre ist es her, da ergötzten und entsetzten sich die Amerikaner an einer doppelten Schlammschlacht, erst zwischen Hillary Clinton und Barack Obama, dann zwischen Obama und John McCain. Letzterer verglich Obama mit Paris Hilton, während Clinton die unbewussten Ängste von Kindern und Eltern schürte. Die Köpfe hinter diesen teils haarsträubenden Kurz-Clips waren die selben Werbehaie, die jetzt auch wieder am Schnittpult sitzen - nur mit anderen Klienten.
Der Aufstieg der Tea Party und die schwelende Wut der Wähler haben dazu geführt, dass die Stimmung diesmal noch aufgeheizter ist als im US-Präsidentschaftsrennen von 2008, das im Rückblick fast idyllisch wirkt. Auffallend: Die Demokraten stehen den Republikanern dabei nicht nach.
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